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Der zweite Tod ist schmerzloser, beim zweiten mal das eigene Sterben zu beobachten ist grotesk. Wenn das Seelenaggregat seinen Dienst verweigert, keine Tachyonenstöße mehr auf das Herz abgibt und sämtliche Subroutinen einstellt, ist die Zeit gekommen, den fraktalen Seelenstrang dieser Basis aufzugeben.

Rationalität und Kalkül sind sicher nicht das Ende, jedoch der Beginn aller Weisheit. Der nüchterne Geist schult sich unentwegt, seit dem ersten Atemzug, an den Problemen des Lebens und den Unbillen der Zeit. Die Ratio löst letztlich das Problem, nicht die Emotio. Gefühle sind stets frisch, kommen und gehen wie ein klimatisches Ereignis und geben keine zuverlässigen Ratgeber ab, sind sie doch stets reine Momentaufnahmen die sich weder schulen noch beherrschen lassen – in puro naturalibus. Aus einem Moment kann keine Erfahrung gezogen werden und Erfahrung ist die eine Hälfte des Schlüssel zu allem. Die andere Hälfte verorte ich in der Anpassungsfähigkeit. Leben bedeutet (auch) anpassen. Anpassen an gegebene Umstände, erkennen und umsetzen von Erfahrung.

Es wäre so einfach, ließe sich aus dem vorangegangenen eine allgemein gültige, eine absolute Gleichung ziehen. Das dieses Unterfangen ein sinnloser Wunsch ist wird schnell klar sobald man erkennt, dass der Faktor X sich verhält als wäre er ein Quantenteilchen. Wenn man ein Mensch ist, hat man Emotionen. Hat man Emotionen, gehört es dazu, sie in sein Leben zu integrieren. Ob man man dies nun möchte oder nicht ist irrelevant, einstweilen hat man dabei keine Wahl, da wir noch keine realisierbare Alternative umsetzen können.

Ist das so? Zweifelsohne gibt es keinen Gefühlszustand, der nicht integrierbar wäre. Leider stoßen wir auch hier wieder auf ein Detailproblem, was die ganze Sache in ihrer Komplexität erhöht: die Intensität. Vielleicht macht es Sinn, hier einen gedankliche Analgoie zu den Instinkten zu bilden (die jedoch wesentlich effektiver kontrolliert werden können).

Was tun? Ich erachte es als sinnvoll, eine Art inneren modus vivendi zu finden. Denn die Erfahrung (sie entkommt uns nicht) weiß zu berichten, dass es auf unserem derzeitigen Evolutionsstand nicht möglich ist, sämtliche Emotion abzulegen, alles was diesen Anschein haben mag mündet endlich in obskuren Kompensationen die das Individuum leicht zerstören können. Den Emotionen freien Lauf lassen ist jedoch mindestens im gleichen Maße schädlich, was sich an Beispielen von Genozid bis Terrorismus leicht schon im Großen beobachten lässt. Wenn sie sich schon nicht kontrollieren lassen, können sie vielleicht auf eine notwendige Sparflamme gedreht werden.

 

Demnach dürfte es ein relevanter Versuch sein, diese Hypothese zu examinieren.

 

Februar 2011

Umzug

Achtung: dieser Blog ist ab sofort unter www.paganus-lichtkunst.de zu erreichen.

An dieser Stelle wird nicht mehr publiziert!

 

Alles im Universum enthält Mängel, uns selbst eingeschlossen. Nicht einmal Gott strebt mit seinen Schöpfungen nach Vollkommenheit. Nur die Menschheit ist von dieser dummen Arroganz besessen.

Frank Herbert

Wir leben wie alle anderen Menschen zu jeder anderen Zeit. Verändert haben wir uns kaum. Bestenfalls ein wenig Sensibilität hier, etwas mehr Demokratie da. Zivilisation ist ein lahmer Prozess.

Besser wäre es, wie Götter zu leben: beürfnislos, emotionslos – perfekt! Sich jederzeit und in vollem Ausmaße der eigenen Existenz und dem Sinn darin bewusst. Aber wir sind keine Götter und es besteht wenig Aussicht, einen vergleichbaren Status jemals zu erreichen. Unser menschliches Erbe steht uns im Weg.

Wie sollen wir auch göttliches erreichen, machen wir uns doch selbst in diesen vermeintlich aufgekärten Zeiten permanent unsere eigenen Götter aus dem, was wir in der Welt vorfinden. Ausgestattet mit all dem, was wir doch so gerne hätten. Sicherheit, Unversehrtheit, Gewissheit… Eine intensive Liste. Durch die Vergöttlichung dessen im Profanen erschaffen wir uns unser eigenes Raum-Zeit-Kontinuum, abgenabelt und isoliert in der universellen Zeitmatrix. Vielleicht wäre das nicht so gefährlich, hätten wir keine Götter, denn wo Götter sind, da sind Dämonen nicht weit. Hass, Leid, Missgunst, Verrat und Rache sind die Namen der Prominenz dieser grotesken Gesellen, die sich selbst in vandalistischer Glorie feiern. Fest und Zelerbierung sind es aber eben auch, die den Menschen seit jeher anziehen wie das Licht die Fliegen. So ist es ein leichtes neue Wirte zu finden und der Menschheit den Weg zum Gottmenschen, vielleicht der nächsten Stufe abzuschneiden.

Oder irren wir uns im Ganzen?

Alexander Graeff dringt an unbequemen Lücken in die abendländische Kulturgeschichte ein und zeigt, dass es nicht-duale Vorstellungen von Gott und der Welt genauso gegeben hat wie die dualen, die descartschen. Gewiss sind diese Vorstellungen marginal, aber sie können gerufen werden! Graeff philosophiert nicht nur, er meditiert, ruft herab und heraus: Sein Geist ist die Figur des Gottmenschen, den niemand wirklich zu kennen scheint und doch aus den allzu klaffenden Lücken abendländischer Kultur herausstarrt. Graeffs literarischer Blick auf diese Figur ist schief, surreal, doch die Ergebnisse höchst zukunftsfähig!

 

Ich tat mich zunächst ein wenig schwer,

Eines der wichtigsten Bücher der letzten Jahre.

konzentriert durch das Werk zu gehen und kam daher recht gemächlich voran. Geschuldet ist das dem Inhalt, diesem zwar subjektiven aber doch hoch interessanten Erguss Gräff’scher Meditation. Der Schein trügt, betrachtet man den geringen Umfang. So wenige Seiten zwischen den Buchdeckeln vorhanden sind, so schwer wiegt der Inhalt. Nach einem halben Jahr dürfte es für mich an der Zeit sein, ein kleines Fazit zu versuchen.

Die Sprache ist für mein Empfinden überraschend zugänglich gestaltet und wesentlich ansprechender als beispielsweise in „Manifest der okkulten Kunst“ oder „Ars Occulta“. Der Autor zieht den eher negativ belasteten Begriff des Gottmenschen von seinem angestaubtem Sockel und wirft ihn in den Strom menschlicher Entwicklung. Ich mag mich nicht in intensiven Lobeshymnen ergehen, wiederholen was vorhergehende Rezensoren (siehe Link zu Amazon) so schön beschrieben haben und sage einfach: jeder Mensch sollte dieses Buch lesen!
Ich übertreibe nicht wenn ich behaupte, dass es mir wichtige Fragen aufgeworfen und zugleich auch einige lange mitgeführte verworfen hat.

http://www.amazon.de/Dazwischen-Eine-kurios-philosophische-Suche-Gottmenschen/dp/3933321743/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1302943307&sr=8-1

Link zum Autor: alexander-graeff.de

Es gibt Tage, die brennen sich auf ewig in unser Gedächtnis ein. Tage, an denen wir alles in Frage stellen, was wir über die menschliche Natur zu wissen meinen.

Ausblickstraum

Ausblickstraum

Mit einem mal, gleich einem Donnerhall, wirst du aus der kleinen Sicherheit der Erkenntnis in die verdammten Abgründe unendlicher mentaler Abstraktion gestürzt. Und dieser Sturz wird hart, mein Freund.

Du wirst den fahl schmeckenden Gegenwind der Realität spüren, wie er dir das Gesicht zerschneidet und deine Haut versengt.

Wirst die Geschwindigkeit spüren, mit der dich die Gravitation in ihren kalten Schoß zieht und deine Knochen zerschmettert.

Wirst verzweifeln, dass niemand – kein Mensch, kein Tier, kein Gott – deine Schreie hören wird.

Stille. Und wieder Erkenntnis. Tiefe, allumfassende Erkenntnis.

Iesus lebt!

Sapere aude!

Sapere aude!

Iesus – ein Mensch, der den Lauf der Welt beeinflusst hat wie kein anderer. Eine Rechtfertigung auf über 2000 Jahre geistige Vergewaltigung und Dogma. Man kann spekulieren ob es diese Person gegeben haben mag oder ob er nur eine Legitimierung oder, ja vielleicht auch nur eine Metapher für den Revolutionsgedanken unterdrückter Menschen war (und ist). Sei’s drum. Wir werden es wohl nicht mehr erfahren und sehen nur das, was in seinem Namen auf und in die Welt gesetzt wurde und noch heute, nach Jahrtausenden, gleich einer Marke, als perverses Merchandising  zelebriert wird.

In seinem Namen wird mentale Barbarei und Unterdrückung glorifiziert und gefördert; bei Menschen, die nicht für sich selbst denken und handeln wollen, können oder, ja, gar nicht wissen, dass das erste Geburtsrecht des Menschen die Freiheit ist. Geistiger Natur mehr als alles andere. Menschen, die die Verantwortung der Last auf ihren Schultern nur zu gerne in die wohlwollenden Hände einer vermeintlich höheren Macht geben möchten.

Quo vadis?

Glauben jedoch ist eine zutiefst subjektive und persönliche Angelegenheit. Wird dieser Glauben zur Religion erhoben entstehen Dogmen, Treibstoff und Substanz der gedanklichen Versklavung – ohne die keine Religion funktionieren kann.

Mir stellt sich bei solchen Gedanken immer wieder die Frage, ob die Personen, um die diese Kulte gebaut werden, mit dem eingeschlagenen Weg konform gehen würden. Längst zu Staub zerfallen und vom mystizierenden Wind der Historikerfeder verklärt, hätten Iesus, Buddha und der Rest religiösen Zierrats sicher das ein oder andere Wort der Kritik anzumerken. Gemäß der Kant’schen Forderung, sollten wir unsere Kontemplation einmal besonders auf diesen Punkt richten und dem kritischen Weg ein Tor öffnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Transzendenz

Transzendenz

LichtBlick

LichtBlick

In steter Unregelmäßigkeit treibt es mich hinaus in die Welt um mit meinen Gedanken alleine zu sein (und vielleicht auch unbewusst, um Antworten auf Fragen zu erhalten). Alleine ohne Ablenkung – das ist schwierig, ist doch noch der entlegenste Flecken von einer gewissen Betriebsamkeit menschlicher Natur geprägt. Das Geräusch eines in der Ferne vorbeirauschenden Zuges, gerade noch am Horizont des Hörbaren, ist mir gar nicht mehr so unangenehm wie es früher war. Man verändert sich und damit seine Wahrnehmung und, was vielleicht wichtiger ist, die Evaluation des Wahrgenommenen.

Wahrnehmung… ein schwieriges Thema. Gibt es etwas komplizierteres als die menschliche Wahrnehmung? Allzu viel nehmen wir wahr, nehmen wir für wahr. Wie können wir uns anmaßen, Wahrheit zu postulieren, schlimmer noch: sie mit einem Nimbus der Universalität kleiden, wenn sie doch lediglich Produkt unserer individuellen und zutiefst subjektiven Wahrnehmung ist?

Deduktive Phrasen können wir dreschen bis uns schlecht wird, ontologische Kartenhäuser bauen, bis der amythische Wind der Postmoderne sie in sich zusammenfallen lässt – nichts ist gewiss und kein Moment hat Bestand. Vor allem nicht der Moment der Wahrheit.

Ich laufe durch den Schnee. Das sanfte Knirschen unter meinen Füßen, zeugend von verdichtetem Untergrund, lässt ein heimeliges, ja fast romantisches, Gefühl aufkommen. Schneeflocken tanzen in unaufhörlichen Kaskaden, wild tanzend auf der sanftesten Brise, um mich herum. Ohne diesen beißenden Wind, der dem Winter so charakteristisch ist, lässt es sich aushalten.

Das Land hat sich unter seiner weißen Decke zum Winterschlaf begeben. Ein tiefer Schlaf. Die weiße Schicht, so anmutig, so verletzlich – sie ist urtümlichstes Symbol der Reinheit und weichen Schönheit, derer die Natur ihrer Art nach fähig ist. Wie der weiße Schleier das Land bedeckt und alle Konturen nach und nach auslöscht, drängt sich mir unwillkürlich eine Allegorie auf: der Schleier löscht alle Fehler, alle Sünden der Vergangenheit aus, er bedeckt sie mit einer reinen Schicht gleich einem neuen Blatt Papier, auf das das Leben in einer neuen Geschichte geschrieben wird. Bevor jedoch mit einer neuen Geschichte begonnen wird, sollte die alte vollendet sein. Factum infectum fieri non potest. Aber ist das wirklich der Fall? Die Zeit, so sagt man, wartet auf niemanden. Manche sagen, sie ist eine Illusion, andere personifizieren sie als Raubtier. Welcher Annahme man auch für sich einnimmt, Tatsache ist, dass die Zeit einen letztlich immer einholt. Sicher, man kann ihr entfliehen, mit Ärzten, Medikamenten und modernster Technologie – zumindest für eine Weile; am Ende hat sie noch jeden und alles eingeholt. Mit diesem wenig ermutigenden Gedanken im Kopf führen mich meine Füße durch die vertraute und doch so fremde Winterlandschaft hin zu dem Bach. Schon von weitem kann man sein Rauschen seiner schnellsten Stelle vernehmen. Die Temperatur war wohl nicht niedrig genug um seine Macht in gläserne Starre fallen zu lassen. Und gleich seinem Wasser, treiben auch meine Gedanken dahin. Immer weiter, immer weiter ins Diffuse…

So hoffe ich, dass der absolutistische Schleier auch auf mich fällt.

Eine fette Schneeflocke taumelt in irren Spiralen an meinen Augen vorbei, ganz langsam, bahnt sich, von dem aufsteigenden dünnen Rauchfaden unbeeindruckt einen Weg auf die Glutspitze meiner Zigarette wo sie in einem kaum merklichen Zischen ihr jähes Ende findet. Der Wind nimmt wieder zu. Und, wie Borchert schon bemerkte, ist der Wind das letzte was bleibt.

Was soll ich vergessen? Das ich mich meist falsch entschieden habe? Das ich nach rechts ging anstatt nach links? Ich kenne meine Fehler und brauche keinen Scharlatan der sie mir vor Augen führt. Gegen Schmerz und Schuldgefühl helfen keine billigen Tricks – sie machen uns erst zu dem was wird sind. Ich brauche meinen Schmerz, um zu wissen wer ich bin!

Star Trek V – Am Rande des Universums

Als ich mir diesen Film neulich wieder zu Gemüte führte, hat mich oben erwähnter Monolog nicht mehr los gelassen.

Zweifelsohne ist diese Ur-Star-Trek-Episode, im besonderen die Figur von James Tiberius Kirk, von einer starken, halsstarren Maskulinität, mehr noch einem Machogehabe geprägt, wie es in späteren Geschichten nicht mehr vorkommt. Wie auch immer man es evaluiert, ich kann dieser Aussage „Ich brauche meinen Schmerz, um zu wissen wer ich bin!“ umso mehr abgewinnen, je intensiver ich darüber nachdenke. Dieser nagende Gedanke brachte mich dazu, etwas intensiver über diese Art Schmerz zu meditieren.

Unser ganzes Leben ist geprägt von Entscheidungen und eine Entscheidung zu treffen ist die einzige und wahrscheinlich letzte Freiheit, die man ganz für sich alleine hat. Über Entscheidungsfindung habe ich ja bereits einen kurzen Gedanken notiert, weshalb ich nun nicht weiter darauf eingehen werde.

Gleichwohl jede Entscheidung auch immer ein Fehler ist (nach Dahlberg), so kommen wir nicht umhin, deren Konsequenzen zu tragen. Häufig habe ich den Eindruck, mit der Last der Jahre wird der Schmerz, Begleiterscheinung so mancher Entscheidung, nicht geringer. Stärker möchte ich jedoch auch nicht sagen, wohl aber anders. Es ist die Wahrnehmung, die sich mit uns verändert, neue Realitäten gebiert und unsere Evaluation der Vergangenheit, und somit auch des Schmerzes, vor einen permanenten Prüfungsausschuss des Gewissens zieht. Doch ergibt auch all diese Marter einen Sinn, zumindest sollte es so sein. Sinn, indem Lehren aus der Erfahrung gezogen werden, dienen sie doch immer der eigenen Entwicklung. Sie müssen lediglich in einen tragfähigen, praxisnahen Kontext gebracht werden. Leichter gesagt als getan. Die gleichen Fehler erneut zu begehen, ist leicht zu verhindern. Neue Fehler, mögen sie noch so ähnlich sein, sind hingegen nicht immer zu erkennen und meist berichtet erst die Tat über die Wertung.

Die häufig geforderte Leere im Sinne einer Erfahrungsneutralität ist schwierig zu verstehen, sind doch Hirn und Geist alles andere als ein Vakuum…

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